PM: Lehre im Wintersemester 2021/2022

Ausgangslage
Mit den digitalen Lehrangeboten der vergangenen Semester wurde – unter immensen Herausforderungen für Studierende, aber auch für Lehrende – ein weitgehend ordnungsgemäßes Studium ermöglicht. Das Studieren lebt jedoch vom direkten Austausch und Kontakt. Die psychosozialen Auswirkungen der rein digitalen Lehre und insbesondere der damit einhergehende Mangel an direktem sozialem Austausch sind nicht zu ignorieren. Viele Studierende und Lehrende berichten von psychischen und physischen Auswirkungen, wie etwa dem Gefühl von Isolation.[1] Angesichts der fortgeschrittenen Impfquote und der flächendeckenden Möglichkeit sich impfen zu lassen, wird der Präsenzbetrieb an rheinland-pfälzischen Hochschulen im aktuellen Wintersemester wieder aufgenommen. Wir begrüßen eine Rückkehr zur Präsenzlehre ausdrücklich und sehen Chancen aus den Erkenntnissen der vergangenen drei Semestern nun gemeinsam ein sicheres und selbstbestimmtes Studium zu entwickeln.

Ein sicheres Studium geht vor
Zu einer sicheren Lern- und Lehrumgebung gehört, neben konkret ausgearbeiteten Hygienekonzepten, möglichst viele Studierende und Lehrende davon zu überzeugen, vom Impfangebot Gebrauch zu machen. Studentische Vertreter*innen haben sich hierfür bereits eingesetzt und werden dies weiterverfolgen. Als unmittelbare Anreizsetzung könnten Menschen, die noch keinen vollständigen, aber einen bereits begonnen Impfschutz vorweisen können, kostenlose Tests bis zum vollständigen Impfschutz oder spätestens zum Jahresende zur Verfügung gestellt werden. Dies würde auch die internationalen Studierenden, die noch keine Möglichkeit hatten sich impfen zu lassen, berücksichtigen. Diese Möglichkeit sollte von den politischen Verantwortlichen geprüft werden.
Eine sichere Umgebung kann gegenwärtig nur mit weitgehenden Mitteln geschaffen werden. Eine 2G-Regelung im Präsenzbetrieb scheint uns vertretbar. Ausnahmen davon darf es lediglich für Personen geben, für die keine Impfempfehlung vorliegt, für die aus medizinischen Gründen eine Impfung nicht infrage kommt die mit einem in Deutschland bisher nicht zugelassenen Impfstoff geimpft wurden oder die in ihrem Heimatland bisher nicht die Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen. Auch für diese Personen muss es, solange sie nach geltendem Recht nicht immunisiert sind, konsequent die Möglichkeit der kostenlosen Testung geben.
Eine 2G+ Regelung lehnen wir ab. Ein Vorgehen nach dem aktuellen Warnstufensystem des Landes Rheinland-Pfalz [2] würde dazu führen, dass je nach Infektionslage bis zu 25 unimmunisierte Personen pro Raum zulassen. Diese Situation würde die zu Beginn des Semesters kommunizierte Gefährdung für Studierende, die an der Präsenzlehre teilnehmen, deutlich verschärfen.

Lehre im Wintersemester – Anforderung und Bedarfe
Die rheinland-pfälzischen Hochschulen müssen deutlich stärker unterstützt werden, vielfältige synchrone und asynchrone Lehr- und Lernangebote im digitalen sowie im Präsenz-Format umzusetzen. Durch eine Kombination aus digitalen und Präsenz-Angeboten kann die Studienqualität gesteigert, Studierenden ein höheres Maß an Studienfreiheiten ermöglicht und in der aktuellen Corona-Zeit ein möglichst sicheres Studieren angeboten werden. Die Verfügbarkeit von alternativen Angeboten, wie digitale Lehrveranstaltungen oder hybride Lehrformate, gewährleistet für Studierende, die an einem 2G-Präsenzbetrieb nicht teilnehmen können, dennoch eine Teilhabe. Einzelne Ausnahmen von einer 2G-Regelung kann es allenfalls im Bereich von Laborübungen oder praktischen Sportübungen geben.
Da sich in den vergangenen Semestern gezeigt hat, dass adäquat aufbereitete digitale Formate und insbesondere das Bereitstellen unterschiedlicher Formate für Lehrende ein erhöhtes Maß an Arbeit bedeuten, sehen wir aktuell nicht, wie die rheinland-pfälzischen Hochschulen bei den aktuellen Kapazitäten dem gerecht werden können. Hier sehen wir das Land in der Verantwortung, die Hochschulen sowohl mit personellen Ressourcen als auch mit finanziellen und technischen Mitteln auszustatten, denn ein qualitativ hochwertiges Studium unter den aktuellen Bedingungen ist nur mithilfe eines breiten Angebots möglich. Zusätzlich sollte hier ein eindeutiges Signal in Richtung orts- und zeitunabhängigem Studium gesendet werden, was gerade Studierende in nicht-privilegierten Situationen zu Gute kommt.

Zusammenfassung
Zusammenfassend stellen wir uns ein Studium in Zeiten einer Pandemie und post-Corona deutlich selbstbestimmter vor. Die Hochschulen in Rheinland-Pfalz sind keine ausschließlich digitalen Lernorte und sollten daher wieder Lehre vor Ort anbieten. Studierende, die ihr Studium in Eigenverantwortung abwickeln sollen, sollten während ihres Studiums gesundheitliche Risikofaktoren nicht gegen ein adäquates Lehrangebot abwägen müssen. Studierende, die sich aus nicht gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen, können auf andere Angebote zurückgreifen. Unter den beschriebenen Rahmenbedingungen können das Wintersemester 2021/2022 und kommende Semester sicherer für alle Studierenden und weiteren Mitglieder der Hochschulen ermöglicht werden.

Unsere Forderungen im Überblick:
An die Landespolitik:
•    Schaffung von rechtlichen Rahmenbedingungen für eine 2G Regelung, die lediglich begründete Ausnahmen zulässt
•    Finanzielle, personelle und rechtliche Unterstützung für die Hochschulen damit allen Studierenden ein qualitativ hochwertiges Studium im Selbststudium sowie in Präsenz angeboten werden kann

An die Bundespolitik:
•    Überarbeitung der Regelungen bezüglich der Bereitstellung von Covid 19 Schnelltests neben Schwangeren, Stillenden und mit nicht EU-zugelassenen Impfstoffen auch für für einfach geimpfte Studierende bis Jahres ende ergänzt werden muss

Hochschulen:
•    Unterstützung der studentischen Forderungen nach einem gesundheitlich risikofreien und qualitativ hochwertigem Studium an Landes- und

Bundesebene
•    Schaffung von möglichst viel Wahlmöglichkeit in Bezug auf synchrone und asynchrone digitale und vor Ort Lehrangebote und ein Selbststudium mit Unterstützungsmöglichkeiten

Quellen
[1] Universität Hildesheim | Aktuelle Neuigkeit – Universität Hildesheim | Online-Befragung Stu.diCo II zum Studienalltag in der Pandemie zeigt: Das Lernen läuft, das soziale Miteinander fehlt (uni-hildesheim.de)
[2] https://corona.rlp.de/de/aktuelles/detail/news/News/detail/2g-und-neue-corona-warnstufen-neue-absonderungsverordnung-fuer-schulen-kommt/

Kontakte für Rückfragen:
Vorstand der LandesAStenKonferenz | vorstand@lak-rlp.org | +4915751145884